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Unterschiede zwischen Hochsensibilität und Schüchternheit

Über den Zusammenhang zwischen zurückhaltendem Verhalten und Sensibilität.

Der Begriff Sensibilität gibt ein Gefühl für die ursächlichen Phänomene hinter Verhaltensweisen, die wir als schüchtern, ängstlich, gehemmt, reaktiv, neurotisch oder zurückgezogen bezeichnen. Diese Begriffe werden nach der Beobachtung von Menschen angewandt, vor allem bei Kindern und Tieren, die keine ungewöhnlichen Verhaltensweisen zeigen, die wir beobachten könnten, weshalb wir versuchen uns vorzustellen, warum sie sich passiv verhalten. Aber Begriffe wie Schüchternheit umfassen nicht alle Möglichkeiten. Streng genommen bedeutet Schüchternheit, ein soziales Urteil zu fürchten.

Wie können wir sicher sein, dass ein Kind, dass zögert bevor es einen Klassenraum betritt, tatsächlich ängstlich ist? Der Begriff Hochsensibilität kommt den Prozessen, die sich in dem Kind abspielen, womöglich näher, da es eine Lernstrategie durch Beobachten anstatt aktiven Erkundens beschreibt. Gleichzeitig vermag der Begriff Hochsensibilität auch zu erklären, dass wenn die Erfahrung eines Kindes die wiederholte Ablehnung ist, wenn es einen Klassenraum betritt, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass das Kind schüchtern wird.

Der Begriff sensibel hat im Vergleich zu schüchtern auch positive Implikationen im allgemeinen Sprachgebraucht, obwohl in unseren Kultur leider auch die Sensibilität allgemein negativ besetzt wird, was nicht in allen Kulturen der Fall ist. Der Begriff beschreibt jedoch ein Wesensmerkmal, wie wir es beobachten und erkennen können, und es gibt keine wirklich neutralen Bezeichnungen. Spontanität z.B. ist generell ein sehr positiv besetzter Begriff, wohingegen Impulsivität eher negativ besetzt ist. Ähnlich verhält es sich mit Beharrlichkeit und Eigensinnigkeit, oder Extroversion und das Fehlen von Grenzen.

Was den Wesenszug angeht, den wir als Hochsensibilität bezeichnen, können wir sehen, dass die meisten Begriffe den Rückzugscharakter und die resultierende Symptomatik beschreiben, wie sozialen Rückzug, Angst, Grübeln, geringen Selbstwert, Schüchternheit und Pessimismus. Faktisch sind aber keine dieser Eigenschaften ein vorgegebenes Resultat der Hochsensibilität, doch sie können durch eine Interaktion der angeborenen Sensibilität mit verschiedenen Erfahrungen und Schwierigkeiten im Leben entstehen. Da es viele sensible Personen ohne diese negativen Charakteristiken gibt, kann die Verwendung dieser negativen Begriffe zu einem Labeling führen, dass diese Individuuen schädigt, irreführend für Forscher sein kann und auch im klinischen Kontext für Verwirrung sorgt.

M.Sc.Psych. Orhan Nazım Kılıç

M.Sc.Psych. Orhan Nazım Kılıç

Psychologe für Klinische Psychologie & Psychotherapie am Manalyse Institut, Trainer für Achtsamkeit und Selbstentwicklung.

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