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HSP und Psychotherapie

Über den Zusammenhang von Hochsensibilität und Psychotherapie.

Obwohl HSPs 20% der Bevölkerung bilden, sind nach Studien von E. Aron ungefähr die Hälfte aller Patienten, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden, HSPs. Es neigen vor allem Menschen dazu, diesen Wesenszug der Hochsensibilität sichtbar zu zeigen, die eine schwierige Kindheit hatten. Diese schwierige Kindheit wiederum macht hochsensible Menshcen anfälliger für Depression, Angststörungen und Schüchternheit. Es ist interessant, festzuhalten, dass HSPs mit einer guten Kindheit diese Probleme und Gefahren nicht stärker zeigen als nicht-HSPs.

Im Gegenteil gibt es sogar viele Belege dafür, dass sensible Kinder stärker von einer positiven Kindheit profitieren als weniger sensible. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir über Hochsensibilität nicht als Krankheit, sondern als natürlichen Wesenszug denken sollten.

Ein weiterer Grund dafür, warum so viele HSPs Psychotherapien in Anspruch nehmen, ist weil viele von einer psychischen Störung ausgehen, obwohl sie keine haben. Sie sind eine von der Gesellschaft schlecht verstandene Minderheit, deren Mitglieder sich oftmals noch nicht einmal selber verstehen. Sie nehmen daher oft Psychotherapien in Anspruch, um zu verstehen, warum sie so anders sind.

HSPs haben außerdem die erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, weil sie offener und interessierter an psychologischen Themen sind, psychische Symptome und ihre Konsequenzen besser wahrnehmen und ihre anfänglichen Widerstände besser reflektieren und überwinden können. HSPs nehmen die Therapie auch länger in Anspruch, da es länger dauert, Vertrauen zu ihnen aufzubauen. Sie müssen zudem neben der Arbeit an ihren Problemen auch ihre Wesenszüge verstehen lernen und sich an ihre Anforderungen anpassen. Wir können dazu auch beobachten, dass sie den Therapieprozess mehr genießen und auch stärker von einer Therapie profitieren, die sie länger verarbeiten können.

Zusammengefasst brauchen und schätzen HSPs also längere Behandlungen, sodas sie einen höheren Anteil der Patienten in der Allgemeinbevölkerung stellen. Wenn so viele sensible Patienten zu Beratern, Coaches und Psychotherapeuten gehen, ist es wichtig, Sensibilität von den vielen psychischen Störungen und Problemen, mit denen sie verwechselt werden kann, korrekt zu unterscheiden. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, dass Sensibilität oftmals zusammen mit vielen körperlichen und psychischen Symptomen auftaucht, sodass es wichtig ist, zu verstehen, wie wir diese Probleme mit Rücksicht auf die Sensibilität angehen und die Sensibilität sogar nutzbar machen können.

M.Sc.Psych. Orhan Nazım Kılıç

M.Sc.Psych. Orhan Nazım Kılıç

Psychologe für Klinische Psychologie & Psychotherapie am Manalyse Institut, Trainer für Achtsamkeit und Selbstentwicklung.

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